Sparkurs beim Diakonischen Werk Kassel

Kassel, 29. September 2004. Die Vorstände der Evangelischen Kirche in Kassel und des Zweckverbandes der Evangelischen Kirchenkreise Kassel-Land und Kaufungen haben dem Nachtragshaushalt des Diakonischen Werkes Kassel mit einem Volumen von über 4,2 Mio. Euro in ihrer gemeinsamen Sitzung in dieser Woche zugestimmt. Damit folgen sie dem Vorschlag der Geschäftsführung des Diakonischen Werkes Kassel, ein Spar- und Konsolidierungskonzept einzuleiten.

Durch die Streichung der hessischen Landesmittel und weiterer bevorstehender Kürzungen im Sozialbereich müssen schmerzhafte Reduzierungen von Beratungsangeboten umgesetzt werden. Allein in der Erziehungsberatung sind im vergangenen Jahr zwei Personalstellen nicht wieder besetzt worden, weitere Maßnahmen stehen bevor. Es wird zur Streichung einer Personalstelle zur Vermittlung und Beratung von Frauen in Notsituationen kommen, die Vermittlungsarbeit in die Müttergenesungs-Kuren wird drastisch eingeschränkt werden müssen. "Darüber hinaus wird es im kommenden Jahr zu betriebsbedingten Kündigungen kommen", so Geschäftsführer Joachim Bertelmann.

"Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, um darauf aufmerksam zu machen, dass es einen schleichenden Prozess des Ausstieges aus sozialen Tätigkeiten gibt, der öffentlich nicht genügend wahrgenommen wird", so Bertelmann. "Obwohl immer mehr Menschen bei uns Beratung suchen, werden die Angebote nicht mehr finanziert." Es sei völlig unklar, wie die notwendigen Leistungen weiterhin erbracht werden sollen.

Bertelmann sieht diese Entwicklung nicht allein auf das Diakonische Werk Kassel bezogen: in allen Bereichen der Freien Wohlfahrtspflege seien drastische Einsparmaßnahmen umzusetzen. Eine breite gesellschaftliche Diskussion über solidarisches Handeln in einer sozialen Demokratie sei ebenso notwendig, wie eine inhaltliche Abstimmung der sozialen Angebote in den Bereichen Suchtberatung, Erziehungsberatung, Schuldnerberatung, psycho-soziale Begleitung und  in der Begleitung von Langzeitarbeitslosen. Eine zeitnahe Abstimmung zwischen allen Trägern, den kommunalen Verwaltungen und den politisch Verantwortlichen sieht Bertelmann als dringend erforderlich an.