Würdevoller Abschied von totgeborenen Babys

Kassel, 1. November 2007. Seit fünf Jahren haben Mütter, Väter und Angehörige von totgeborenen Babys die Möglichkeit, im Rahmen einer Trauerfeier von ihren Kindern Abschied zu nehmen. Dreimal im Jahr bieten die ökumenische Klinikseelsorge des Klinikums Kassel und die Krankenhausseelsorge des Diakonie-Gesundheitszentrums eine Gemeinschaftsbestattung der Kinder an.

Die erste Bestattung in dem Gemeinschaftsgrab fand im November 2002 statt. Seither wurden rund 300 Babys beigesetzt. "Zu den Trauerfeiern werden die betroffenen Eltern persönlich eingeladen", sagt Pfarrerin Gundula Goldbach-Bolz von der Klinikseelsorge im Klinikum Kassel. Oftmals kämen nicht nur Mütter und Väter, sondern auch weitere Angehörige der Kinder. Rund zwei Drittel der Eltern folgten der Einladung zur Trauerfeier. "Das zeigt, dass die verwaisten Mütter und Väter ein großes Bedürfnis nach einem Ritual haben, von ihren toten Babys Abschied zu nehmen", sagt Goldbach-Bolz.

"Eine gesetzliche Bestattungspflicht für Fehlgeburten besteht anders als bei Totgeburten nicht", sagt Pfarrerin Goldbach-Bolz "Die Frühchen werden wie entnommene Organ behandelt und nicht als Mensch", sagt Goldbach-Bolz. Für betroffene Mütter und Väter sei diese Tatsache neben dem Verlust eine zusätzliche Belastung. Deshalb habe ein Team aus Ärzten, Klinkseelsorgern und die Friedhofsverwaltung Kassel vor fünf Jahren gemeinsam diese Möglichkeit der würdevollen Abschiednahme geschaffen. Eingeladen seien auch Eltern, die ihr Kind schon vor längerer Zeit verloren haben. Die Teilnahme sei unabhängig von der Konfessions- und Religionszugehörigkeit.

Dank zahlreicher Unterstützer, die ihre Dienstleistungen kostenfrei anbieten, entstehen den betroffenen Eltern keine Kosten für die Beisetzungen. Die Friedhofsverwaltung hat auf dem Hauptfriedhof eine Grabstätte samt einer Hirtenstatue zur Verfügung gestellt und pflegt die Grabanlage, Kasseler Steinmetze haben das Denkmal gestiftet und das Krematorium übernimmt die Einäscherung.

Ein neuer Flyer der Klinik- und Krankenhausseelsorge listet neben Informationen zur Gemeinschaftsbestattung auch viele Telefonnummern von Ärzten, Seelsorgern, der Friedhofsverwaltung und der Initiative Regenbogen, bei denen betroffene Eltern Beistand bekommen können, auf.

Die nächste ökumenische Trauerfeier zur Bestattung der toten Frühchen findet statt
am Freitag, 2. November, um 14 Uhr,
in der Kapelle der Hauptfriedhofes Kassel, Tannenheckerweg 6

Hintergrund
Etwa jede dritte festgestellte Schwangerschaft in Deutschland endet nicht mit der Geburt eines lebenden Kindes, sondern als Fehlgeburt oder - seltener - als Totgeburt. Um eine Fehlgeburt handelt es sich, wenn nach dem Scheiden vom Mutterleib weder Herzschlag noch natürliche Lungenatmung vorhanden sind und die Leibesfrucht weniger als 500 Gramm wiegt. Ab einem Gewicht von 500 Gramm spricht man von einer Totgeburt.