Friedhofsverwaltung in Finanznöten

Kassel, 29. Oktober 2008. Die Synodalen des Evangelischen Stadtkirchenkreises Kassel kamen am Montag zu ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen. In ihrem Bericht ging Stadtdekanin Barbara Heinrich auf die finanzielle Situation der Friedhöfe in Kassel ein. Mit nahezu 100 Hektar Fläche sei die Friedhofsverwaltung Kassel bundesweit die größte in kirchlicher Trägerschaft, betonte Heinrich. Für das Friedhofswesen zu sorgen, sei eine kommunale Aufgabe, so Heinrich weiter.

Wandel der Bestattungskultur
Der Wandel der Bestattungskultur in der vergangenen Jahren verschärfe die Finanzsituation, sagte Heinrich. Von 1980 bis 2007 seien die Bestattungszahlen in Kassel von 2804 auf 1760 zurückgegangen (38 Prozent). Als Gründe für den Rückgang nannte Heinrich die Abwanderung in Friedwälder und Ruheforste und anonyme Bestattungen außerhalb Kassels. Außerdem nähmen Urnenbestattungen zu, die weniger Fläche benötigten. Die Friedhofsfläche, die zu unterhalten sei, sei aber konstant geblieben, Lohn- und Energiekosten seien gestiegen. Konsequenz sei, dass die Friedhofsverwaltung nicht mehr kostendeckend arbeiten könne.

Sparmaßnahmen ausgeschöpft
Der Haushalt der Friedhofsverwaltung bestehe neben den Einnahmen aus Grabverkäufen und Bestattungsgebühren aus einem Zuschuss der Stadt Kassel in Höhe von 50.000 Euro. Dies sei zu wenig, sagte Heinrich. Keine Stadt in vergleichbarer Größe gebe einen so geringen Zuschuss zum Friedhofswesen. Mittels Gebührenerhöhungen die Schere zwischen steigenden Kosten und zurückgehenden Einnahmen zu schließen, sei nicht realistisch, sagte Heinrich. Die Gebühren müssten bezahlbar bleiben, sonst würden noch mehr Bestattungen ins Umland verlagert. In den letzten Jahren seien viele Sparmaßnahmen umgesetzt worden, mehr gehe nicht, so Heinrich. "Wir müssen bei alledem unserem Verständnis von Friedhofskultur noch gerecht werden können", sagte Heinrich.

Erhöhung des Zuschusses notwendig
Die Verhandlungen mit der Stadt Kassel über die Erhöhung des Zuschusses seien bisher nicht erfolgreich gewesen. Nun liege ein Gutachten vor, dass als Grundlage für die weiteren Verhandlungen diene. "Sollte die Stadt den Zuschuss nicht deutlich aufstocken, müssen wir kurzfristig darüber nachdenken, ob wir die Friedhöfe weiterhin in kirchlicher Trägerschaft behalten können", so Heinrich.

Ordnung der Jugendkulturkirche
In der Sitzung beschlossen die Synodalen die Ordnung für die Jugendkulturkirche. In dieser werden die u.a. die Aufgaben der Einrichtung, die Zusammenarbeit mit der Kreuzkirchengemeinde, an der die Jugendkulturkirche angesiedelt ist, die Zusammensetzung des Vorstandes, des Beirates und der Arbeitskreises der Mitarbeitenden sowie die Finanzierung der Jugendkulturkirche geregelt. Vorgesehen ist in der Ordnung, dass sich die Jugendkulturkirche neben Zuweisungen durch den Stadtkirchenkreis und das Stadtjugendpfarramt durch einen Förderkreis finanziere.

Kooperation
Weiterhin verabschiedeten die Synodalen eine neue Vereinbarung zwischen dem Evangelischen Stadtkirchenkreis Kassel und den beiden in Kassel ansäs-sigen landeskirchlichen Gemeinschaften. Die Vereinbarung ist im wesentlichen ein Fortschreibung der bisher gültigen. Dekan Jürgen Renner betonte, dass die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre zwischen den Kooperationspartnern, mit der neuen Vereinbarung fortgeführt werden solle.
Die Synodalen wählten außerdem vier Mitglieder in den Verbindungsausschuss. Dies sind Stefan Lipsius (Stephanuskirche), Stadtdekan Jürgen Renner, Pfarrer Uwe Seibel (Lukaskirche) und Pfarrer Dr. Jürgen Wolf (Lutherkirche). Der Verbindungsausschuss hat die Aufgabe, die gemeinsamen Beziehungen weiterzuentwickeln.

Die Synodalen haben außerdem Pfarrer Dr. Stephan Goldschmidt (Friedenskirche) als Vertreter des Stadtkirchenkreises in die Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes in Kurhessen-Waldeck e.V. berufen.

Kollektenplan 2009
Vier Kollekten kann der Stadtkirchenkreis gemäß der landeskirchlichen Regelung für 2009 selbst bestimmen. Die Synodalen beschlossen die Sammlungen für folgende Zwecke zu erheben: 8. Februar für die Kirchenmusik, 14. Juni für die Nacht der offenen Kirchen, 5. Juli für das Hospiz Kassel und am 19. Juli für Konfirmandentage und -freizeiten.

Finanzen
Beschlossen wurde weiterhin der Nachtragshaushaltsplan 2009 des Stadtkirchenkreises. Außerdem entlasteten die Synodalen die Jahresrechnung 2006.