«Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen.» (aus der Weihnachtsgeschichte, Lukas 2, Verse 15b + 16. Foto: medio.tv/Schauderna)
«Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen.» (aus der Weihnachtsgeschichte, Lukas 2, Verse 15b + 16. Foto: medio.tv/Schauderna)
Startseite Administrativ: «Weihnachten – die Antwort auf die Sehnsucht nach Heimat in der Welt»

«Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» Die Botschaft der Engel aus der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas wird zu den Weihnachtstagen in den Gottesdiensten zu hören sein. Es ist die beste Botschaft der Welt: Denn sie verheißt uns Hoffnung – damals wie heute.

Die Kirchen sind zu Weihnachten gut besucht, oft überfüllt. Das hat gute Gründe: Denn die Weihnachtsbotschaft rührt an eine tiefe Sehnsucht in uns Menschen, die so lebendig ist wie vor zweitausend Jahren: Wir suchen nach Heimat, die etwas Größeres und Tieferes bezeichnet als Herkunft oder aktueller Wohnsitz. Die Weihnachtsgeschichte, so spüren wir, gibt auf diese Sehnsucht eine Antwort.

Oft wird die Geburt Jesu als Idylle dargestellt. Doch idyllisch war sie nicht. Folgt man der Weihnachtsgeschichte, so kam Jesus heimatlos, auf der Durchreise in einem Notquartier zur Welt. Ausgerechnet dort zeigte sich Gott! Im übertragenen Sinn heimatlos zu sein – dieses Gefühl befällt in unserer Zeit viele Menschen. Es fällt ihnen schwer, einer immer mehr vernetzten und unübersichtlich werdenden Welt zu folgen. Verlässlichkeiten sucht man scheinbar vergebens. In diesem Jahr kam hierfür ein weiteres Indiz hinzu. Lange wurde uns weisgemacht, die Welt der Wirtschaft und Finanzen funktioniere nach klaren, rationalen und vor allem soliden Maßstäben. Die Finanzkrise und die nicht absehbaren Folgen für die Realwirtschaft haben uns etwas Anderes gelehrt. Für stetiges Wachstum und Wohlstand gibt es keine Garantie. Es bereitet Sorge, dass von den drohenden Entwicklungen vor allem Menschen betroffen sind, die bereits zuvor mit den Anforderungen in der Ausbildung und am Arbeitsplatz überfordert waren.

«Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen». Das Weihnachtsevangelium ist kein politisches Programm. Doch es kann den Blick dafür schärfen, wie es in unserem Gemeinwesen um den sozialen Frieden und die Teilhabe der Schwachen an unserer Gesellschaft steht. Wer das Kind in der Krippe voller Freude anschaut, dem kann das Wohlergehen von Kindern in Nah und Fern nicht gleichgültig sein!

Die Weihnachtsgeschichte ist ja überraschend nüchtern: Sie berichtet vom Stall zu Bethlehem und vom Jesuskind, aber auch vom Kaiser Augustus und einer Volkszählung zur Steuererhebung. Sie blendet die Zeitgeschichte nicht aus, sondern ist in ihr eingebettet. An Weihnachten 2008 kann das zur Erkenntnis führen: Die globale Vernetzung wird uns weiter begleiten, und eine wirtschaftsfreie Welt wird es nicht geben. Doch sie muss sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein: Bereicherung um jeden Preis kann nicht das letzte Ziel unseres Tuns sein; der Raubbau an der Gottes guter Schöpfung muss Grenzen finden.

«Ehre sei Gott in der Höhe». Damit fängt es an: Gott die Ehre zu geben, setzt die entscheidenden Maßstäbe! Bisweilen hat es allerdings den Anschein, als trage gerade der Glaube an Gott nicht zum Frieden, zum Wohlgefallen und Wohlergehen bei. Diesen Einwand muss man ernst nehmen. Entgegen anders lautenden Prophezeiungen ist das Ende der Religion keineswegs eingetreten – im Gegenteil. Darum ist es notwendig, sich mit den Religionen der Welt auseinander zu setzen: Welche Botschaft verkünden sie, und welche Folgen haben ihre Lehren in der Praxis? Wie schrecklich, wenn Gewalt religiös gerechtfertigt und angeblich im Namen Gottes unschuldigen Menschen nach Freiheit und Leben getrachtet wird! Solchem Götzendienst widerspricht der christliche Glaube; er sucht den Dialog und die friedliche Begegnung mit allen Religionen, die von gutem Willen beseelt sind.

 «Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» Gott ist ein Freund des Lebens. Er will keine Opfer. Seine Macht zeigt sich in seiner Ohnmacht, nicht in vordergründigem Glanz und Stärke. Gott kommt in Jesus Christus als Kind zur Welt, schutzlos, auf Hilfe angewiesen. So antwortet er auf unsere Sehnsucht nach Heimat und Beheimatung: durch eine bisher unbekannte Zuwendung und Liebe. Der Himmel öffnet sich, Gott kommt herab in eine zerrissene Welt, damit wir Frieden, Wohlgefallen und ein erfülltes Leben finden. Das ist der tiefe Sinn von Weihnachten – auch im Jahr 2008. 


Ein Beitrag von Bischof Prof. Dr. Martin Hein für die Fuldaer Zeitung (Weihnachtsausgabe).

2008-12-19 5071

Weihnachtsbotschaft von Bischof Martin Hein:
«Weihnachten – die Antwort auf die Sehnsucht nach Heimat in der Welt»

 

«Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» Die Botschaft der Engel aus der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas wird zu den Weihnachtstagen in den Gottesdiensten zu hören sein. Es ist die beste Botschaft der Welt: Denn sie verheißt uns Hoffnung – damals wie heute.

Die Kirchen sind zu Weihnachten gut besucht, oft überfüllt. Das hat gute Gründe: Denn die Weihnachtsbotschaft rührt an eine tiefe Sehnsucht in uns Menschen, die so lebendig ist wie vor zweitausend Jahren: Wir suchen nach Heimat, die etwas Größeres und Tieferes bezeichnet als Herkunft oder aktueller Wohnsitz. Die Weihnachtsgeschichte, so spüren wir, gibt auf diese Sehnsucht eine Antwort.

Oft wird die Geburt Jesu als Idylle dargestellt. Doch idyllisch war sie nicht. Folgt man der Weihnachtsgeschichte, so kam Jesus heimatlos, auf der Durchreise in einem Notquartier zur Welt. Ausgerechnet dort zeigte sich Gott! Im übertragenen Sinn heimatlos zu sein – dieses Gefühl befällt in unserer Zeit viele Menschen. Es fällt ihnen schwer, einer immer mehr vernetzten und unübersichtlich werdenden Welt zu folgen. Verlässlichkeiten sucht man scheinbar vergebens. In diesem Jahr kam hierfür ein weiteres Indiz hinzu. Lange wurde uns weisgemacht, die Welt der Wirtschaft und Finanzen funktioniere nach klaren, rationalen und vor allem soliden Maßstäben. Die Finanzkrise und die nicht absehbaren Folgen für die Realwirtschaft haben uns etwas Anderes gelehrt. Für stetiges Wachstum und Wohlstand gibt es keine Garantie. Es bereitet Sorge, dass von den drohenden Entwicklungen vor allem Menschen betroffen sind, die bereits zuvor mit den Anforderungen in der Ausbildung und am Arbeitsplatz überfordert waren.

«Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen». Das Weihnachtsevangelium ist kein politisches Programm. Doch es kann den Blick dafür schärfen, wie es in unserem Gemeinwesen um den sozialen Frieden und die Teilhabe der Schwachen an unserer Gesellschaft steht. Wer das Kind in der Krippe voller Freude anschaut, dem kann das Wohlergehen von Kindern in Nah und Fern nicht gleichgültig sein!

Die Weihnachtsgeschichte ist ja überraschend nüchtern: Sie berichtet vom Stall zu Bethlehem und vom Jesuskind, aber auch vom Kaiser Augustus und einer Volkszählung zur Steuererhebung. Sie blendet die Zeitgeschichte nicht aus, sondern ist in ihr eingebettet. An Weihnachten 2008 kann das zur Erkenntnis führen: Die globale Vernetzung wird uns weiter begleiten, und eine wirtschaftsfreie Welt wird es nicht geben. Doch sie muss sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein: Bereicherung um jeden Preis kann nicht das letzte Ziel unseres Tuns sein; der Raubbau an der Gottes guter Schöpfung muss Grenzen finden.

«Ehre sei Gott in der Höhe». Damit fängt es an: Gott die Ehre zu geben, setzt die entscheidenden Maßstäbe! Bisweilen hat es allerdings den Anschein, als trage gerade der Glaube an Gott nicht zum Frieden, zum Wohlgefallen und Wohlergehen bei. Diesen Einwand muss man ernst nehmen. Entgegen anders lautenden Prophezeiungen ist das Ende der Religion keineswegs eingetreten – im Gegenteil. Darum ist es notwendig, sich mit den Religionen der Welt auseinander zu setzen: Welche Botschaft verkünden sie, und welche Folgen haben ihre Lehren in der Praxis? Wie schrecklich, wenn Gewalt religiös gerechtfertigt und angeblich im Namen Gottes unschuldigen Menschen nach Freiheit und Leben getrachtet wird! Solchem Götzendienst widerspricht der christliche Glaube; er sucht den Dialog und die friedliche Begegnung mit allen Religionen, die von gutem Willen beseelt sind.

 «Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» Gott ist ein Freund des Lebens. Er will keine Opfer. Seine Macht zeigt sich in seiner Ohnmacht, nicht in vordergründigem Glanz und Stärke. Gott kommt in Jesus Christus als Kind zur Welt, schutzlos, auf Hilfe angewiesen. So antwortet er auf unsere Sehnsucht nach Heimat und Beheimatung: durch eine bisher unbekannte Zuwendung und Liebe. Der Himmel öffnet sich, Gott kommt herab in eine zerrissene Welt, damit wir Frieden, Wohlgefallen und ein erfülltes Leben finden. Das ist der tiefe Sinn von Weihnachten – auch im Jahr 2008. 


Ein Beitrag von Bischof Prof. Dr. Martin Hein für die Fuldaer Zeitung (Weihnachtsausgabe).


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