Archiv: Bischöfin Hofmann warb bei Gottesdienst in Hanau für Toleranz und Vielfalt

Hanau (medio). Innehalten, ohne zu verharren: Über den Tag der Trauer und des Gedenkens an die Opfer des rassistischen Attentats von Hanau hinaus tritt die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. «Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung»: So war der Gottesdienst in der Hanauer Marienkirche am Sonntag (21.2.) in Anlehnung an jene Initiative überschrieben, der die EKKW kürzlich beigetreten ist. Per Livestream wurde der Gottesdienst, der coronabedingt nur mit wenigen Besucherinnen und Besuchern stattfinden konnte, ins Internet übertragen. Das Video ist unter www.ekkw.de weiterhin abrufbar.  

Kritisch mit eigenen Vorurteilen umgehen 

«Erschüttert ist das Leben in dieser Stadt, erschüttert ist vor allem das Lebensgefühl der Menschen, die durch das Attentat am 19. Februar 2020 einen lieben Menschen verloren haben», sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann. Auch im Predigttext (Johannes 13) ging es um Erschütterungen, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle. Er erzählt von der Ankündigung Jesu, dass ihn einer seiner Freunde verraten wird und damit von dem, «was erschüttertes Vertrauen, was Verrat und Hass mit Menschen macht», so Bischöfin Hofmann.
 
Herr, wer ist‘s? – Herr bin ich‘s? «Diese Frage richtet den Finger nicht auf andere, sondern auf uns selbst», bemerkte Hofmann. Darum sei diese Frage auch der Dreh- und Angelpunkt für die Initiative «Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung»: «Denn wenn wir offen für Vielfalt sein wollen, müssen wir uns ehrlich machen über unsere eigene Verstrickung in rassistisches Denken und rassistische Strukturen. Dann müssen wir uns kritisch mit eigenen Vorurteilen, mit Stereotypen, mit herabwürdigender Sprache und Denkmustern auseinandersetzen», folgerte Bischöfin Hofmann. «Das mutige Eintreten gegen Rassismus, von dem so viel zu hören ist in diesen Tagen, das beginnt bei uns selbst.»

2021-02-24 32363

«Das mutige Eintreten gegen Rassismus beginnt bei uns selbst»
Bischöfin Hofmann warb bei Gottesdienst in Hanau für Toleranz und Vielfalt

Aufzeichnung des zentralen Gottesdienstes der Landeskirche und des Kirchenkreises Hanau am Sonntag, 21. Februar, in der Marienkirche in Hanau.

Hanau (medio). Innehalten, ohne zu verharren: Über den Tag der Trauer und des Gedenkens an die Opfer des rassistischen Attentats von Hanau hinaus tritt die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. «Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung»: So war der Gottesdienst in der Hanauer Marienkirche am Sonntag (21.2.) in Anlehnung an jene Initiative überschrieben, der die EKKW kürzlich beigetreten ist. Per Livestream wurde der Gottesdienst, der coronabedingt nur mit wenigen Besucherinnen und Besuchern stattfinden konnte, ins Internet übertragen. Das Video ist unter www.ekkw.de weiterhin abrufbar.  

Kritisch mit eigenen Vorurteilen umgehen 

«Erschüttert ist das Leben in dieser Stadt, erschüttert ist vor allem das Lebensgefühl der Menschen, die durch das Attentat am 19. Februar 2020 einen lieben Menschen verloren haben», sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann. Auch im Predigttext (Johannes 13) ging es um Erschütterungen, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle. Er erzählt von der Ankündigung Jesu, dass ihn einer seiner Freunde verraten wird und damit von dem, «was erschüttertes Vertrauen, was Verrat und Hass mit Menschen macht», so Bischöfin Hofmann.
 
Herr, wer ist‘s? – Herr bin ich‘s? «Diese Frage richtet den Finger nicht auf andere, sondern auf uns selbst», bemerkte Hofmann. Darum sei diese Frage auch der Dreh- und Angelpunkt für die Initiative «Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung»: «Denn wenn wir offen für Vielfalt sein wollen, müssen wir uns ehrlich machen über unsere eigene Verstrickung in rassistisches Denken und rassistische Strukturen. Dann müssen wir uns kritisch mit eigenen Vorurteilen, mit Stereotypen, mit herabwürdigender Sprache und Denkmustern auseinandersetzen», folgerte Bischöfin Hofmann. «Das mutige Eintreten gegen Rassismus, von dem so viel zu hören ist in diesen Tagen, das beginnt bei uns selbst.»


Die christliche Kirche basiere auf der Vision, dass in Christus die Unterschiede, die Menschen voneinander trennen und zu Ungerechtigkeit führen, aufgehoben würden –  «Unterschiede in Religion, Kultur, sozialem Status, Geschlecht», erläuterte Bischöfin Hofmann und ergänzte: «Das ist das Fundament, von dem aus wir als Kirche «offen für Vielfalt – geschlossen gegen Ausgrenzung» werden können, das ist die Vision, auf die hin wir an Ängsten, an Vorurteilen, an rassistischen Denkmustern arbeiten können.»

Geschlossen gegen Ausgrenzung auftreten

Dabei reiche es nicht, offen für Vielfalt zu sein und an den eigenen Vorurteilen und Fremdheitsgefühlen zu arbeiten. «Angesichts von Verschwörungsdenken und Hasskommentaren im Internet «braucht es auch das andere: geschlossen gegen Ausgrenzung auftreten. Es braucht das gemeinsame Eintreten für Demokratie, für Zusammenhalt, es braucht Unterstützung für die, die eingeschüchtert werden», betonte die Bischöfin. Kirche sei von Beginn an eine bunte Gesellschaft gewesen – Reiche und Arme, Europäerinnen und Asiaten, Juden und Griechen, Männer und Frauen: «In Christus wurden sie eins.»
 
«Kirche als Nachfolgegemeinschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen will um Gottes und ihrer selbst willen Vielfalt zeigen», ergänzte Dr. Martin Lückhoff. Neben dem Hanauer Dekan waren auch Pfarrerin Heike Mause sowie Kirchenvorsteherin Dr. Stefanie Keilig an dem stimmungsvollen Gottesdienst beteiligt. Für die musikalische Ausgestaltung sorgten Kantor Christian Mause an der Orgel und am Klavier sowie Sopranistin Christina Schmid und Bariton Frank Hagelstange. Die Feier des Gottesdienstes sollte «ein Beitrag zum gelebten Frieden», sein, so Pfarrerin Mause. Unter den Teilnehmenden war auch der Hanauer Imam Mustafa Macit Bozkurt.

Gedenken am Jahrestag mit Friedensgebet und Lichteraktion

«Was in Hanau passiert ist, geht uns alle an» – das unterstreicht Bischöfin Dr. Hofmann am 19. Februar - dem Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau. Am 19. Februar 2020 hatte der rechtsextreme Attentäter neun Hanauer Bürger erschossen; anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. An dieses Attentat erinnert die Landeskirche und wirbt für ein friedliches Miteinander, für Zivilcourage und Zusammenhalt. 

Vor Ort und im Internet hatte die EKKW Räume des Gedenkens angeboten, «damit das zum Ausdruck kommen kann, was an Gedanken, Gefühlen, Erschütterungen im Gedenken an die Opfer und an nachhaltigem Erschrecken über die Tat da ist», erläutert Bischöfin Hofmann. Die Bischöfin eröffnete am Freitagmittag die Reihe der Friedensgebete in der Hanauer Marienkirche, zu deren Auftakt auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky gekommen war. «Zusammenhalten wollen wir und aufstehen für ein friedliches Miteinander in unseren Städten und Dörfern», heißt es im Gebetstext: «Hören wollen wir, Gott, auf dein schönstes Wort: Frieden – Schalom – Salam. Lass und zusammenstehen als Glaubende aller Konfessionen und Religionen.»

Kerzenmeer in der Marienkirche als Ausdruck der Solidarität

Bis zum Abend hatten Geistliche der EKKW und der EKHN zum Gebet eingeladen. Das Kircheninnere in der Hanauer Marienkirche wuchs währenddessen zum Lichtermeer: Unter dem Motto «Mein Licht für Hanau» konnten auf der Facebookseite des Kirchenkreises virtuelle Kerzen angezündet werden, die dann ihren Weg in die Marienkirche fanden. Für jedes online geteilte Kerzenbild wird vor Ort eine Kerze entzündet. Bis zum Abend hatten Menschen das Kerzenbild über 1.000 Mal geteilt.
 
«Der 19. Februar ist für viele Menschen ein Tag der Trauer», sagte der Hanauer Dekan Dr. Martin Lückhoff. Über alle persönliche Betroffenheit hinaus habe Trauer auch einen verbindenden Aspekt: «Einander zuhören und miteinander schweigen, füreinander da sein und sich unterstützen gehören dazu», macht Lückhoff deutlich. Dass Nachbarn unter rassistischer Gewalt litten und trauerten, fordere auch ein Gemeinwesen heraus. Gemeinsam gelte es, nicht nur zurück, sondern auch nach vorne zu schauen. «Ein Nebeneinander-Her tut nicht gut», so der Dekan.

Glockengeläut und Videobotschaft

Neben dem Friedensgebet in der Hanauer Marienkirche von 12 bis 20 Uhr läuteten mit Bezug auf das Datum des Anschlags am Freitag ab 19.02 Uhr in Hanau und im Umland die Glocken. Außerdem verbreitete der Hanauer Tisch der Religionen eine Videobotschaft, in der die zehn am Runden der Tisch der Religionen beteiligte Gemeinschaften den Angehörigen Mitgefühl aussprechen und zu zu Achtung und Respekt aufrufen. (22.02.2021)

Um an die Ereignisse vor einem Jahr zu erinnern, wendet sich der Hanauer Tisch der Religionen in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit.

Gebete und Kerzen für Hanau

Sie können hier auf ekkw.de ein eigenes Gebet für die Opfer des Anschlags am 19. Februar 2020 in Hanau formulieren oder Gebete anderer Nutzerinnen und Nutzer lesen. Wenn Sie keinen eigenen Gebetstext formulieren, erscheint der Schriftzug «Ich entzünde eine Kerze für Hanau.»

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Fotos von der Mahnwache am 20. Februar 2020 und die ekkw.de-Artikel des vergangenen Jahres zum Anschlag in Hanau.

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arrow_forward Linktipp:

Hier finden Sie ein Radio-Interview mit Dekan Dr. Martin Lückhoff zum Anschlag vor einem Jahr und der Atmosphäre in Hanau ein Jahr danach. Das Interview führte Domradio.de:

radio Internetradio:

«Offen für Vielfalt – geschlossen gegen Ausgrenzung» - Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und der Dekan des Ev. Kirchenkreises Hanau, Dr. Martin Lückhoff, über die Initiative in ihrer Stadt. Ein Beitrag von Radioreporter Siegfried Krückeberg: