Archiv: Erntedankfest: Bischöfin Hofmann ruft zur Verhaltensänderung auf

Kassel (medio). Am Sonntag waren die Altäre in den Gotteshäusern der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wieder mit Feldfrüchten und Getreide geschmückt: Mit dem Erntedank erinnern die Gemeinden damit an die enge Verknüpfung von Mensch und Natur.
 
«Das Erntedankfest bietet Anlass, besonders die Anliegen und Sorgen der Landwirtschaft in den Blick zu nehmen», sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann. Gemeinsam mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, besuchte sie kürzlich den Milchviehbetrieb von Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands, in Sachsenhausen (Waldeck). Dabei ging es um die Arbeits- und Betriebssituation in den hessischen Bauernfamilien, um Milchviehwirtschaft und Erntesituation, Verpachtung von Kirchenland, Tierwohl, Nachhaltigkeit und die Auswirkungen des Klimawandels.
 
Diese Themen sind auch Hartmut Schneider von der Landwirtschaftlichen Familienberatung der beiden Landeskirchen vertraut: «Durch meine Arbeit in Seelsorge und Beratung weiß ich um die Sorgen der Landwirtinnen und Landwirte und im Ernährungshandwerk. Klimaveränderungen und Preisdruck stellen sie vor große Herausforderungen. Für ihre Arbeit und die große Veränderungsbereitschaft haben sie Wertschätzung verdient.» 
 
Ob Dürren oder Überschwemmungen, Stürme, Fichtensterben oder Waldbrände: «Der Klimawandel fordert die Landwirtschaft heraus», sagt Bischöfin Hofmann. Sie lenkt den Blick über die heimische Landwirtschaft hinaus auch in den globalen Süden, wo noch häufiger Hitzeperioden, Überschwemmungen und folglich komplette Ernteausfälle zu beobachten sind. «Unsere Umwelt ist Teil der Schöpfung, die wir bewahren wollen. Wir müssen unser Verhalten ändern, um die Erde als Lebensraum für alles Lebendige zu erhalten», mahnt die Bischöfin. Das Erntedankfest führe vor Augen, dass ‚unser tägliches Brot‘ keine Selbstverständlichkeit ist. Es gibt der Dankbarkeit Raum und ruft zum Teilen auf. Das drückt sich auch in der Kollekte aus: Am Erntedanksonntag ist sie für die Katastrophenhilfe bestimmt. 

2021-10-07 33813

«Klimawandel und Preisdruck fordern Landwirtschaft heraus»
Erntedankfest: Bischöfin Hofmann ruft zur Verhaltensänderung auf

Erntedankfest: Bischöfin Hofmann ruft zur Verhaltensänderung auf
(Foto: medio.tv/Küster)

Kassel (medio). Am Sonntag waren die Altäre in den Gotteshäusern der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wieder mit Feldfrüchten und Getreide geschmückt: Mit dem Erntedank erinnern die Gemeinden damit an die enge Verknüpfung von Mensch und Natur.
 
«Das Erntedankfest bietet Anlass, besonders die Anliegen und Sorgen der Landwirtschaft in den Blick zu nehmen», sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann. Gemeinsam mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, besuchte sie kürzlich den Milchviehbetrieb von Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands, in Sachsenhausen (Waldeck). Dabei ging es um die Arbeits- und Betriebssituation in den hessischen Bauernfamilien, um Milchviehwirtschaft und Erntesituation, Verpachtung von Kirchenland, Tierwohl, Nachhaltigkeit und die Auswirkungen des Klimawandels.
 
Diese Themen sind auch Hartmut Schneider von der Landwirtschaftlichen Familienberatung der beiden Landeskirchen vertraut: «Durch meine Arbeit in Seelsorge und Beratung weiß ich um die Sorgen der Landwirtinnen und Landwirte und im Ernährungshandwerk. Klimaveränderungen und Preisdruck stellen sie vor große Herausforderungen. Für ihre Arbeit und die große Veränderungsbereitschaft haben sie Wertschätzung verdient.» 
 
Ob Dürren oder Überschwemmungen, Stürme, Fichtensterben oder Waldbrände: «Der Klimawandel fordert die Landwirtschaft heraus», sagt Bischöfin Hofmann. Sie lenkt den Blick über die heimische Landwirtschaft hinaus auch in den globalen Süden, wo noch häufiger Hitzeperioden, Überschwemmungen und folglich komplette Ernteausfälle zu beobachten sind. «Unsere Umwelt ist Teil der Schöpfung, die wir bewahren wollen. Wir müssen unser Verhalten ändern, um die Erde als Lebensraum für alles Lebendige zu erhalten», mahnt die Bischöfin. Das Erntedankfest führe vor Augen, dass ‚unser tägliches Brot‘ keine Selbstverständlichkeit ist. Es gibt der Dankbarkeit Raum und ruft zum Teilen auf. Das drückt sich auch in der Kollekte aus: Am Erntedanksonntag ist sie für die Katastrophenhilfe bestimmt. 

Besuch im Milchviehbetrieb der Familie Schmal in Waldeck-Sachsenhausen. Unser Foto zeigt u.a. Bischöfin Beate Hofmann (Mitte), Kirchenpräsident Volker Jung (2.v.l.) und Hartmut Schneider (3.v.r). (Foto: EKKW)

Gott danken für die Vielfalt des Lebens

In den Gottesdiensten am Erntedankfest danken Christen Gott für die Vielfalt des Lebens und die täglichen Nahrung. Der Termin für Erntedank ist in der Regel der erste Sonntag im Oktober. Manche Gemeinden feiern das Fest jedoch auch schon im September oder erst Mitte Oktober.

Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen der Menschen. Schon in der Antike, im alten Israel oder bei den Römern waren solche Feste bekannt. Die christliche Tradition hat die Bitte um Nahrung in ihr wichtigstes Gebet aufgenommen, das «Vaterunser». Dort heißt es: «Unser tägliches Brot gib uns heute.» Die Kirche feiert das Erntedankfest bereits seit dem dritten Jahrhundert.

Nach christlichem Verständnis gehören Danken und Teilen zusammen. Deshalb wird an Erntedank an Hungerkatastrophen erinnert und für Not leidende Menschen gesammelt. Viele Gemeinden spenden ihre Kollekte an die Aktion «Brot für die Welt». Zudem verweisen die Christen auf die Bedrohung von Gottes Schöpfung.

Kollekte für Hungernde in der Welt und Opfer von Katastrophen

Alle, die am Erntedankfest Gott für seinen Segen in ihrem Leben danken, können diesen Dank auch durch die Kollekte zum Ausdruck bringen. Zu Erntedank wird in den Gemeinden der Landeskirche für Menschen gesammelt, denen es am Nötigsten fehlt, weil sie Opfer von Hunger, Krieg, Vertreibung und Katastrophen wurden. In solchen Fällen leistet die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck schnelle und direkte Nothilfe. Damit den Menschen, die unter großer Not leiden oder Opfer von Katastrophen geworden sind, auch zukünftig schnell geholfen werden kann.

Ihre Spende: IBAN: DE 33 5206 0410 0000 0030 00

Für viele Menschen ist das Erntedankfest nicht von großer Bedeutung, weil sie Mangel nicht kennen. Doch für die Landwirte selbst ist das Fest nach wie vor sehr wichtig. (Foto: medio.tv/Zerhau)

Landwirtschaft ist die Lebensgrundlage für unseren Planeten

Für viele Menschen, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, ist das Erntedankfest nicht von großer Bedeutung, weil sie Mangel nicht kennen. Wenn es eine Missernte in Deutschland geben sollte, würde die Nahrung eben importiert. Doch für die Landwirte selbst sei das Fest nach wie vor sehr wichtig, sagt Hartmut Schneider von der Fachstelle Kirche im ländlichen Raum. Das Erntedankfest sei ein Tag, an dem deutlich werde, dass sich Menschen um die Schöpfung kümmerten und es sei ein Anlass, diesen Menschen – den Landwirten – Wertschätzung entgegenzubringen. 

Das Berufsbild habe sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert, erklärt Schneider. Einerseits präsentierten Magazine wie etwa «Landlust» einen idyllischen «Blick auf die Dörfer, wie sie noch nie waren». Andererseits nehme die Arbeitsverdichtung in dem Beruf immer weiter zu und es gebe spezifische Probleme in der Landwirtschaft. Schneider und sein Team beraten bei Familien-, Paar- und Generationenkonflikten auf Bauernhöfen und bei den manchmal heiklen Betriebsübergaben. Das Arbeitsleben in der modernen Landwirtschaft erfordere im Grunde die «Bezwingung des Unbezwingbaren»: Rund um die Uhr sei man verantwortlich für den Betrieb, zugleich stelle sich aber auch die Frage: Wie sorge ich für mich? 

Früher, sagt Schneider, habe es erstmal eine Pause gegeben, wenn der Weizen in der Erde war. Heute sei das dann die Zeit für Fortbildungen, Wartung von Maschinen und bürokratische Anforderungen. Und wer Vieh hält, sei ohnehin immer gefragt. Oft will die nächste Generation den Hof nicht weiterführen, sagt Schneider, bei 30 Prozent der Betrieben sei die Nachfolge nicht gesichert.

Trotz aller Schwierigkeiten aber sei die Landwirtschaft nach wie vor ein «hochattraktives Berufsfeld», wie eine Umfrage ergeben habe. Vor allem die Arbeit in und mit der Natur, der Umgang mit Leben und die Selbständigkeit seien als Gründe genannt worden. Und eines dürfe man – gerade zu Erntedank – nicht vergessen: «Landwirtschaft ist die Lebensgrundlage für unseren Planeten.»

Familie&Betrieb - Ländliche Familienberatung

Familie&Betrieb ist eine Beratungseinrichtung für Menschen aus Betrieben der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum. Träger ist die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Familie&Betrieb ist ebenfalls Ansprechpartner der Landwirtschaftlichen Familienberatung der Kirchen in Rheinhessen, für Menschen aus Bauern- und Winzerbetrieben. Das Beratungsangebot ist religions- und konfessionsunabhängig und unabhängig von staatlichen und berufsständischen Angeboten. Mehr im Internet unter www.familieundbetrieb-hessen.de

(30.09.2021)


radio Bibel aktuell

Spenden für Menschen in Not - für Opfer von Hochwasser, Dürre oder Erdbeben? An Erntedank denken viele Christen an sie besonders. Und das hat auch einen guten Grund. Darüber spricht Pfarrer Daniel Geiss aus Neuberg mit Radio-Reporter Siegfried Krückeberg:

arrow_forward Foto-Impressionen:

Im sozialen Netzwerk Facebook teilen viele Gemeinden ihre Fotos vom Erntedankfest. Die ekkw.de-Onlineredaktion hat die schönsten Fotos in einem eigenen Album gesammelt:

arrow_forward Andacht zum Erntedank:

«Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben...» - Eine Andacht zum Erntedank mit Videos und Musik zum Mitfeiern finden Sie auf kirchenjahr-evangelisch.de unter: