Aktuell: EKD-Präses Schwaetzer: Kirche darf zu Antisemitismus nicht schweigen

Kassel (epd/medio). «Die Kirche darf zu Antisemitismus und Rassismus sowie Mord und Gewalt nicht schweigen», sagte die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer beim Adventsempfang der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kassel. Das Foto des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und die mit Schüssen gelöcherte Tür der Synagoge in Halle sind zwei Bilder aus dem Jahr 2019, die Irmgard Schwaetzer nicht vergessen werde. Zu Gewalt und Rassismus müssen sich Christen verhalten, forderte sie.

Christen könnten Fremdenfeindlichkeit und Rassismus niemals unterstützen, da jeder Rassismus der gleichen Würde aller Menschen als Gottes Geschöpfe widerspreche, erklärte Schwaetzer. Da Christen in den Bund, den Gott mit seinem Volk Israel geschlossen habe, in geschwisterlicher Verbundenheit hineingenommen worden seien, sei christlicher Antijudaismus und Antisemitismus unerträglich. Der Schutz des jüdischen Lebens in Deutschland sei angesichts der Shoa Aufgabe und Verpflichtung.

2019-12-07 29767

Adventsempfang der Landeskirche
EKD-Präses Schwaetzer: Kirche darf zu Antisemitismus nicht schweigen

EKD-Präses Schwaetzer: Kirche darf zu Antisemitismus nicht schweigen
Empfang im Kasseler Haus der Kirche (v.l.): Prälat Bernd Böttner, Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann, die Gastrednerin Präses der EKD, Dr. Irmgard Schwaetzer, Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Vizepräsident Dr. Volker Knöppel. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Kassel (epd/medio). «Die Kirche darf zu Antisemitismus und Rassismus sowie Mord und Gewalt nicht schweigen», sagte die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer beim Adventsempfang der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kassel. Das Foto des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und die mit Schüssen gelöcherte Tür der Synagoge in Halle sind zwei Bilder aus dem Jahr 2019, die Irmgard Schwaetzer nicht vergessen werde. Zu Gewalt und Rassismus müssen sich Christen verhalten, forderte sie.

Christen könnten Fremdenfeindlichkeit und Rassismus niemals unterstützen, da jeder Rassismus der gleichen Würde aller Menschen als Gottes Geschöpfe widerspreche, erklärte Schwaetzer. Da Christen in den Bund, den Gott mit seinem Volk Israel geschlossen habe, in geschwisterlicher Verbundenheit hineingenommen worden seien, sei christlicher Antijudaismus und Antisemitismus unerträglich. Der Schutz des jüdischen Lebens in Deutschland sei angesichts der Shoa Aufgabe und Verpflichtung.

Darüber hinaus sei es Aufgabe aller Landeskirchen, öffentlich zu Fragen des Lebens und Zusammenlebens in der Gesellschaft Stellung zu nehmen und das Handeln der Regierenden an christlichen Maßstäben zu messen. «Da ist kein Thema ausgenommen», betonte sie. Schwaetzer machte sich in ihrer Rede auch für die Seenotrettung von Flüchtlingen stark. «Solange die für die Seenotrettung zuständigen Länder und die Europäische Union ihrer Pflicht zu diesem humanitären Akt nicht nachkommen, sehe ich die Zivilgesellschaft gefordert - und dazu gehören auch die Kirchen», sagte sie. Kirche sei zwar nicht parteipolitisch, jedoch parteiisch auf der Seite der Schwachen. Die Beteiligung an diesem öffentlichen Diskurs setzte Schwaetzer mit der Predigt gleich und sagte «Predigen geht überall».

Schwaetzer bezog sich damit auch auf den Bericht von Bischöfin Dr. Beate Hofmann, den sie am 25.11. vor der Synode gehalten hatte. Auch außerhalb von Kirchräumen gäbe es Orte an denen Kirche gebraucht und geschätzt werde- so zum Beispiel diakonische Dienste in Hospizen. Nach tragischen Ereignissen wiederum suchen viele Menschen in Gedenkveranstaltungen einen Ort zum Trauern.

Zuvor hatte die kurhessische Bischöfin Dr. Beate Hofmann in einer Andacht an den Gedenktag des heiligen Nikolaus am 6. Dezember erinnert und auch persönliche Erfahrungen aus ihrer Kindheit geteilt. Nikolaus sei, anders als andere Heilige, kein Märtyrer, sondern ein Retter in der Not. Dieser habe unter anderem drei arme Mädchen, die ihr Vater in die Prostitution verkaufen wollte, durch ein wertvolles Geschenk vor diesem Schicksal bewahrt. «Einer, der Kinder vor der Prostitution oder vor Hunger bewahrt und so als Wahrer von Kinderrechten auftritt, das hat an Aktualität nichts verloren, auch im Jahr 2019 nicht», sagte Hofmann. Diese Seite des Nikolaus als Patron der Kinder lohne es neu zu entdecken. Sie bereite auch auf die bevorstehende Feier der Geburt desjenigen Kindes vor, in dem Gott Mensch wurde. Gott komme ins Unerwartete, dahin, wo keiner mit ihm rechne, wo Not oder Angst herrsche. Gott bringe das Licht so dahin, wo es dunkel sei, sagte Hofmann.

Zum Ende des offiziellen Teils bedankte sich Esther Hass vom Vorstand der jüdischen Gemeinde in Kassel bei der Stadtgesellschaft und der Landeskirche. Jeden Freitagabend während des jüdischen Gottesdienstes stehen «Wächter» mit Kerzen vor der Synagoge. Hass erzählte von einem Gottesdienstbesucher, der mit Blick auf die vielen Menschen sagte, dass er sich durch ihre Anwesenheit wirklich sicher fühle.

Musikalisch begleitet wurde der Abend instrumental und gesanglich von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum und Popkantor Peter Hamburger, die gemeinsam mit dem Saxofonisten Jochen Engel und vier Sängern klassische Weihnachtslieder interpretierten. Im Anschluss an den Vortrag von Irmgard Schwaetzer hatten die Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im großen Saal im Haus der Kirch ein Bad-Wilhelmshöhe reichlich Gelegenheit, alte Freunde zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen und sich in der vorweihnachtlichen Hektik eine kurze Auszeit zu nehmen. (06.12.2019)