Interviews: Nachgefragt...

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer am 22.08.2011 in Ottrau.

Fischer: Sie begleiten als Pröpstin Bischof Hein auf seiner Reise durch den Kirchenkreis. Was kann eine solche Reise für die Region bringen?

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich glaube, sie kann ganz viel bringen, denn wir schauen uns die Region schon ganz intensiv an. Wir haben Kontakt mit vielen Menschen: Mit Kirchenvorstehern, mit Gemeindegliedern, mit Politikern. Und wir hören sehr gut zu. Wir hören die Sorgen, aber wir hören auch die Ideen der Menschen.

Fischer: Welche Probleme haben alte Menschen in einer solch ländlich geprägten Region?
 
Pröpstin Kropf-Brandau: Gerade in ländlich geprägten Regionen lebten immer Großfamilien. Die alten Menschen wurden begleitet von den Jüngeren. Heute leben die Menschen fast alle alleine. Die alten Menschen, weil die jungen Menschen weggegangen sind, weil sie woanders ihre Ausbildung machen, weil sie woanders leben wollen. Und umso dringender ist, so etwas wie ein soziales Netz aufzubauen. Eine Nachbarschaftshilfe. Kleine Hilfen beim Einkaufen oder einfach nur mal rüber gehen und ein kurzes Gespräch führen. Ich glaube, dass ist auch eine Aufgabe der sich die Kirchengemeinden hier stellen müssen und auch stellen wollen.

Fischer: Wo kann die Kirche dabei unterstützen?

Pröpstin Kropf-Brandau: Die Pfarrerinnen und Pfarrer haben ja einen großen Vertrauensvorschuss. Wir werden in die Häuser ja auch immer noch reingelassen. Auch von den alten Menschen, die vielleicht sonst misstrauisch sind. Wir nehmen war, wo Einsamkeit vorherrscht. Und wir können vielleicht auch Menschen aktivieren.

Fischer: Was ist aus Ihrer Sicht das Gebot der Stunde?

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich glaube, wir müssen den Menschen wieder klar machen, wie wichtig es ist aufeinander zu achten, sich in den Blick zu bekommen. Weg von dieser Wellness-Struktur «Hauptsache mir geht es gut» hin zur Frage «Wie geht es eigentlich den anderen?» - Das würde ich mir wünschen und diese Aufgabe haben wir auch von unserem Glauben her.

Fischer: Welche Anregungen wollen sie Bischof Hein mit geben? Was soll er in Erinnerung behalten?

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich würde mir wünschen, dass er in Erinnerung behält, wie aktiv hier Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenvorstände und Gemeindeglieder sind und wie bewusst sie die Situation wahrnehmen. Dass sie nicht depressiv verharren, obwohl sie vielleicht weniger werden, sondern ganz neue Visionen entwickeln. Und so lange solche Visionen in unserer Kirche entwickelt werden, habe ich eine keine Angst um die Kirche.

Fischer: Visionen sind die eine, die Realität die andere Seite. Wo drückt es die Pfarrer am meisten

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir Pfarrerinnen und Pfarrern auch von Seiten der Kirchenleitung deutlich vermitteln: «Ihr braucht freie Zeit» und diese freie Zeit müsst ihr euch nehmen. Darum müsst ihr euch kollegial so miteinander vernetzten, dass Vertretungsdienste gut organisiert sind. Wenn ich erst drei Kollegen anrufen muss, damit ich mal einen Tag frei machen kann, lass ich es irgendwann. Ich habe gestern den Kolleginnen und Kollegen empfohlen, einmal im Jahr in einer Pfarrkonferenz die Terminkalender mitzubringen und jeder kreuzt sich einmal im Monat ein ganzes Wochenende an, an dem er frei haben will. Ich bin überzeugt davon, es wird sich jemand finden, der für ihn den Dienst macht. Dazu gehört natürlich auch, dass eine Pfarrerin damit lebt, dass ein anderer Pfarrer die Trauung ebenso so schön macht wie sie. Wir müssen von diesem Einzelkämpfertum wegkommen. Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer brauchen von der Kirchenleitung geregelte und gestützte Zeit, damit sie gern und gut Pfarrerinnen und Pfarrer sein können.

Fischer: Vielen Dank für das Gespräch.

2011-08-25 9200


Nachgefragt...

 

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer am 22.08.2011 in Ottrau.

Fischer: Sie begleiten als Pröpstin Bischof Hein auf seiner Reise durch den Kirchenkreis. Was kann eine solche Reise für die Region bringen?

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich glaube, sie kann ganz viel bringen, denn wir schauen uns die Region schon ganz intensiv an. Wir haben Kontakt mit vielen Menschen: Mit Kirchenvorstehern, mit Gemeindegliedern, mit Politikern. Und wir hören sehr gut zu. Wir hören die Sorgen, aber wir hören auch die Ideen der Menschen.

Fischer: Welche Probleme haben alte Menschen in einer solch ländlich geprägten Region?
 
Pröpstin Kropf-Brandau: Gerade in ländlich geprägten Regionen lebten immer Großfamilien. Die alten Menschen wurden begleitet von den Jüngeren. Heute leben die Menschen fast alle alleine. Die alten Menschen, weil die jungen Menschen weggegangen sind, weil sie woanders ihre Ausbildung machen, weil sie woanders leben wollen. Und umso dringender ist, so etwas wie ein soziales Netz aufzubauen. Eine Nachbarschaftshilfe. Kleine Hilfen beim Einkaufen oder einfach nur mal rüber gehen und ein kurzes Gespräch führen. Ich glaube, dass ist auch eine Aufgabe der sich die Kirchengemeinden hier stellen müssen und auch stellen wollen.

Fischer: Wo kann die Kirche dabei unterstützen?

Pröpstin Kropf-Brandau: Die Pfarrerinnen und Pfarrer haben ja einen großen Vertrauensvorschuss. Wir werden in die Häuser ja auch immer noch reingelassen. Auch von den alten Menschen, die vielleicht sonst misstrauisch sind. Wir nehmen war, wo Einsamkeit vorherrscht. Und wir können vielleicht auch Menschen aktivieren.

Fischer: Was ist aus Ihrer Sicht das Gebot der Stunde?

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich glaube, wir müssen den Menschen wieder klar machen, wie wichtig es ist aufeinander zu achten, sich in den Blick zu bekommen. Weg von dieser Wellness-Struktur «Hauptsache mir geht es gut» hin zur Frage «Wie geht es eigentlich den anderen?» - Das würde ich mir wünschen und diese Aufgabe haben wir auch von unserem Glauben her.

Fischer: Welche Anregungen wollen sie Bischof Hein mit geben? Was soll er in Erinnerung behalten?

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich würde mir wünschen, dass er in Erinnerung behält, wie aktiv hier Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenvorstände und Gemeindeglieder sind und wie bewusst sie die Situation wahrnehmen. Dass sie nicht depressiv verharren, obwohl sie vielleicht weniger werden, sondern ganz neue Visionen entwickeln. Und so lange solche Visionen in unserer Kirche entwickelt werden, habe ich eine keine Angst um die Kirche.

Fischer: Visionen sind die eine, die Realität die andere Seite. Wo drückt es die Pfarrer am meisten

Pröpstin Kropf-Brandau: Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir Pfarrerinnen und Pfarrern auch von Seiten der Kirchenleitung deutlich vermitteln: «Ihr braucht freie Zeit» und diese freie Zeit müsst ihr euch nehmen. Darum müsst ihr euch kollegial so miteinander vernetzten, dass Vertretungsdienste gut organisiert sind. Wenn ich erst drei Kollegen anrufen muss, damit ich mal einen Tag frei machen kann, lass ich es irgendwann. Ich habe gestern den Kolleginnen und Kollegen empfohlen, einmal im Jahr in einer Pfarrkonferenz die Terminkalender mitzubringen und jeder kreuzt sich einmal im Monat ein ganzes Wochenende an, an dem er frei haben will. Ich bin überzeugt davon, es wird sich jemand finden, der für ihn den Dienst macht. Dazu gehört natürlich auch, dass eine Pfarrerin damit lebt, dass ein anderer Pfarrer die Trauung ebenso so schön macht wie sie. Wir müssen von diesem Einzelkämpfertum wegkommen. Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer brauchen von der Kirchenleitung geregelte und gestützte Zeit, damit sie gern und gut Pfarrerinnen und Pfarrer sein können.

Fischer: Vielen Dank für das Gespräch.


keyboard_arrow_left Übersicht

Hier gelangen Sie wieder zurück zur vorherigen Übersicht: