Montag: Montag, 26. November 2007 2007-11-26 4020


Montag, 26. November 2007

 
Montag: Bischof Hein: «Eine lebendige Kirche braucht eine lebendige Jugend»

Hofgeismar (medio). «Die Jugendarbeit ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche.» Dies hat der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, in seinem Bericht zum Auftakt der Herbsttagung der Landessynode am heutigen Montagmittag in Hofgeismar festgestellt. Hein zog vor den 90 Synodalen eine positive Bilanz der bisher geleisteten Arbeit: So seien mehr als 1.730 Personen ehrenamtlich und 192 hauptberuflich – mehrheitlich Frauen - in der Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck tätig. Mehr als 10,1 Prozent aller Jugendlichen würden derzeit durch die evangelische Jugendarbeit erreicht. Dies sei vergleichsweise viel; eine Steigerung sei jedoch wünschenswert. «Eine lebendige Kirche braucht eine lebendige Jugend», betonte Hein.

Neue Herausforderungen: Jugend als «Mangelware» mit weniger Zeitbudget 

In den nächsten Jahren stehe die kirchliche Jugendarbeit vor deutlichen Herausforderungen: Der demographische Wandel bringe es mit sich, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft Jugendliche zur «Mangelware» würden. Zudem werde durch den Ausbau ganztägig arbeitender Schulen und einer verkürzten Gymnasialzeit den Jugendlichen weniger Freizeit als bisher zur Verfügung stehen. Die daraus resultierende Konkurrenzsituation zu anderen Anbietern solle durch eine Steigerung der Attraktivität der kirchlichen Jugendarbeit und durch eine offene Kommunikation mit den anderen Anbietern begegnet werden. Als problematisch bezeichnete es der Bischof, dass in vielen Dörfern keine Räumlichkeiten für Jugendliche bereit stünden. Auch seien die Gewaltproblematik und in einigen Regionen der Landeskirche Formen des Rechtextremismus nicht zu übersehen. Besorgniserregend sei zugleich die Spaltungstendenz innerhalb der deutschen Gesellschaft: Zielstrebigen Jugendlichen, die Karriere machen wollten, stünde eine Gruppe von Schulabbrechern und Scheiternden mit steigendem Alkoholkonsum und Gewaltbereitschaft gegenüber. 

Konfirmanden- und Jugendarbeit sollen stärker zusammenarbeiten

Hein plädierte für eine stärkere Zusammenarbeit von Konfirmanden- und Jugendarbeit. Für viele Jugendliche bedeute der Konfirmandenunterricht eine vertiefte Begegnung mit christlichem Glauben und christlicher Spiritualität, deren Vermittlung durch die Elternhäuser nicht  unbedingt vorausgesetzt werden könne. Der Konfirmandenunterricht biete für die Jugendlichen die Chance, sich bei allen nicht zu leugnenden Unterschieden als christliche Gemeinschaft zu erfahren. Hein rief die Kirchengemeinden dazu auf, Verantwortung für die Jugendarbeit zu übernehmen.

Perspektive: Religionspädagogische Qualifikation und Regionalisierung

Perspektivisch regte Hein an, dass hauptamtliche Jugendarbeiter über eine religionspädagogische oder theologische Qualifikation verfügen sollten. Dies trage zu einer stärkeren Erkennbarkeit evangelischer Jugendarbeit bei. Dabei müsse sich die evangelische Jugendarbeit zwischen zwei Polen bewegen: einem klaren evangelischen Profil einerseits und einer Orientierung an der Lebenswelt und dem Alltag der Jugendlichen anderseits. Schließlich solle die Jugendarbeit bei aller Bedeutung für die Kirchengemeinden in Zukunft stärker regionalisiert und verantwortet werden: etwa auf Kirchenkreisebene oder in den im Reformpapier der Landeskirche erwähnten Kooperationsräumen.

Elisabethjahr: 150 Ausstellungsorte der Wanderausstellung im In- und Ausland, großer Erfolg für Online-Spiel im Internet

Mit Blick auf das zu Ende gehende Elisabethjahr der evangelischen Kirchen und diakonischen Werke in Hessen zog der Bischof eine positive Bilanz. Das Interesse an Elisabeth von Thüringen habe die Erwartungen bei weitem übertroffen. So sei die Wanderausstellung «Krone, Brot und Rosen» bereits jetzt in mehr als 150 Orten zu sehen gewesen: 120 Orte in Deutschland sowie 30 Orte im Ausland. Auch die begleitenden Internetseite zum Elisabethjahr unter www.800-jahre-elisabeth.de sei über 700.000 Mal aufgerufen worden. Mit Blick auf Jugendliche sei das Interesse an dem Elisabethspiel im Internet bemerkenswert: Das Strategiespiel sei bereits über 17.000 mal gespielt worden. Ganz anders als in vielen so genannten «Baller-Spielen» komme es in dem Spiel darauf an, den Mitmenschen und
seine Bedürfnisse im Blick zu haben, so der Bischof. «Der landeskirchlichen Internetarbeit ist es damit stärker als je zuvor gelungen, die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen zu erreichen»,sagte Hein. Positiv wertete der Bischof auch die ökumenischen Akzente des Gedenkens an den 800. Geburtstag Elisabeths: vor allem durch den ökumenischen Gottesdienst und Festakt in der Elisabethkirche sowie einen gemeinsamen Brief des Bischofs mit seinem Fuldaer Amtskollegen Heinz Josef Algermissen an die Pfarrer des Bistums und der Landeskirche.

Kritik an Vatikanverlautbarung – Ökumenische Versammlung Impuls für Europa

Hein erneuerte seine Kritik an der päpstlichen Verlautbarung «Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche», in denen den evangelischen Kirchen das Kirche-Sein abgesprochen wird und nur als «kirchliche Gemeinschaften» bezeichnet werden. .Als «um so beachtlicher» bezeichnete der Bischof Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, der auf ein «absolutes, exklusives Identitätsurteil» von Kirche als römisch-katholischer Kirche verzichtet habe. Ein solcher Satz über die Römisch-Katholische Kirche könne auch von evangelischer Seite gesagt werden, meinte Hein. Zugleich würdigte der Bischof die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu im September dieses Jahres. Die Anwesenheit des Präsidenten der Europäischen Kommission Barroso habe eine bisher kaum gekannte Annäherung der europäischen Politik an die Kirchen gezeigt. Es bleibe nach wie vor eine dringliche Aufgabe, das christliche Profil Europas in Politik, Öffentlichkeit und Kultur zu bewahren und zu stärken, betonte Hein. (26.11.2007)

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Bericht des Bischofs zum Auftakt der Landessynode
Bischof Hein: «Eine lebendige Kirche braucht eine lebendige Jugend»

 

Hofgeismar (medio). «Die Jugendarbeit ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche.» Dies hat der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, in seinem Bericht zum Auftakt der Herbsttagung der Landessynode am heutigen Montagmittag in Hofgeismar festgestellt. Hein zog vor den 90 Synodalen eine positive Bilanz der bisher geleisteten Arbeit: So seien mehr als 1.730 Personen ehrenamtlich und 192 hauptberuflich – mehrheitlich Frauen - in der Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck tätig. Mehr als 10,1 Prozent aller Jugendlichen würden derzeit durch die evangelische Jugendarbeit erreicht. Dies sei vergleichsweise viel; eine Steigerung sei jedoch wünschenswert. «Eine lebendige Kirche braucht eine lebendige Jugend», betonte Hein.

Neue Herausforderungen: Jugend als «Mangelware» mit weniger Zeitbudget 

In den nächsten Jahren stehe die kirchliche Jugendarbeit vor deutlichen Herausforderungen: Der demographische Wandel bringe es mit sich, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft Jugendliche zur «Mangelware» würden. Zudem werde durch den Ausbau ganztägig arbeitender Schulen und einer verkürzten Gymnasialzeit den Jugendlichen weniger Freizeit als bisher zur Verfügung stehen. Die daraus resultierende Konkurrenzsituation zu anderen Anbietern solle durch eine Steigerung der Attraktivität der kirchlichen Jugendarbeit und durch eine offene Kommunikation mit den anderen Anbietern begegnet werden. Als problematisch bezeichnete es der Bischof, dass in vielen Dörfern keine Räumlichkeiten für Jugendliche bereit stünden. Auch seien die Gewaltproblematik und in einigen Regionen der Landeskirche Formen des Rechtextremismus nicht zu übersehen. Besorgniserregend sei zugleich die Spaltungstendenz innerhalb der deutschen Gesellschaft: Zielstrebigen Jugendlichen, die Karriere machen wollten, stünde eine Gruppe von Schulabbrechern und Scheiternden mit steigendem Alkoholkonsum und Gewaltbereitschaft gegenüber. 

Konfirmanden- und Jugendarbeit sollen stärker zusammenarbeiten

Hein plädierte für eine stärkere Zusammenarbeit von Konfirmanden- und Jugendarbeit. Für viele Jugendliche bedeute der Konfirmandenunterricht eine vertiefte Begegnung mit christlichem Glauben und christlicher Spiritualität, deren Vermittlung durch die Elternhäuser nicht  unbedingt vorausgesetzt werden könne. Der Konfirmandenunterricht biete für die Jugendlichen die Chance, sich bei allen nicht zu leugnenden Unterschieden als christliche Gemeinschaft zu erfahren. Hein rief die Kirchengemeinden dazu auf, Verantwortung für die Jugendarbeit zu übernehmen.

Perspektive: Religionspädagogische Qualifikation und Regionalisierung

Perspektivisch regte Hein an, dass hauptamtliche Jugendarbeiter über eine religionspädagogische oder theologische Qualifikation verfügen sollten. Dies trage zu einer stärkeren Erkennbarkeit evangelischer Jugendarbeit bei. Dabei müsse sich die evangelische Jugendarbeit zwischen zwei Polen bewegen: einem klaren evangelischen Profil einerseits und einer Orientierung an der Lebenswelt und dem Alltag der Jugendlichen anderseits. Schließlich solle die Jugendarbeit bei aller Bedeutung für die Kirchengemeinden in Zukunft stärker regionalisiert und verantwortet werden: etwa auf Kirchenkreisebene oder in den im Reformpapier der Landeskirche erwähnten Kooperationsräumen.

Elisabethjahr: 150 Ausstellungsorte der Wanderausstellung im In- und Ausland, großer Erfolg für Online-Spiel im Internet

Mit Blick auf das zu Ende gehende Elisabethjahr der evangelischen Kirchen und diakonischen Werke in Hessen zog der Bischof eine positive Bilanz. Das Interesse an Elisabeth von Thüringen habe die Erwartungen bei weitem übertroffen. So sei die Wanderausstellung «Krone, Brot und Rosen» bereits jetzt in mehr als 150 Orten zu sehen gewesen: 120 Orte in Deutschland sowie 30 Orte im Ausland. Auch die begleitenden Internetseite zum Elisabethjahr unter www.800-jahre-elisabeth.de sei über 700.000 Mal aufgerufen worden. Mit Blick auf Jugendliche sei das Interesse an dem Elisabethspiel im Internet bemerkenswert: Das Strategiespiel sei bereits über 17.000 mal gespielt worden. Ganz anders als in vielen so genannten «Baller-Spielen» komme es in dem Spiel darauf an, den Mitmenschen und
seine Bedürfnisse im Blick zu haben, so der Bischof. «Der landeskirchlichen Internetarbeit ist es damit stärker als je zuvor gelungen, die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen zu erreichen»,sagte Hein. Positiv wertete der Bischof auch die ökumenischen Akzente des Gedenkens an den 800. Geburtstag Elisabeths: vor allem durch den ökumenischen Gottesdienst und Festakt in der Elisabethkirche sowie einen gemeinsamen Brief des Bischofs mit seinem Fuldaer Amtskollegen Heinz Josef Algermissen an die Pfarrer des Bistums und der Landeskirche.

Kritik an Vatikanverlautbarung – Ökumenische Versammlung Impuls für Europa

Hein erneuerte seine Kritik an der päpstlichen Verlautbarung «Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche», in denen den evangelischen Kirchen das Kirche-Sein abgesprochen wird und nur als «kirchliche Gemeinschaften» bezeichnet werden. .Als «um so beachtlicher» bezeichnete der Bischof Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, der auf ein «absolutes, exklusives Identitätsurteil» von Kirche als römisch-katholischer Kirche verzichtet habe. Ein solcher Satz über die Römisch-Katholische Kirche könne auch von evangelischer Seite gesagt werden, meinte Hein. Zugleich würdigte der Bischof die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu im September dieses Jahres. Die Anwesenheit des Präsidenten der Europäischen Kommission Barroso habe eine bisher kaum gekannte Annäherung der europäischen Politik an die Kirchen gezeigt. Es bleibe nach wie vor eine dringliche Aufgabe, das christliche Profil Europas in Politik, Öffentlichkeit und Kultur zu bewahren und zu stärken, betonte Hein. (26.11.2007)


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Lesen Sie hier den Bericht von Bischof Prof. Dr. Martin Hein im Wortlaut: