Montag: 3 Fragen an OLKR Dr. Schwarz, Landespfarrer für Diakonie

Fischer: Herr Schwarz, Was beunruhigt Sie zur Zeit als Diakoniechef in Kurhessen-Waldeck am meisten?

Dr. Schwarz: Mich beunruhigt am meisten, dass ich vermute, dass wir eine deutliche Zunahme von Arbeitslosen bekommen. Und das wird wieder zu Lasten der Kinder und das wird wieder zu Lasten der Alleinerziehenden gehen. Also die Freude, dass wir unter den drei Millionen waren, ist vermutlich eine sehr kurze.

Fischer: Welche Rolle wird das Problem der Armut in Zukunft spielen?

Dr. Schwarz: Das Problem wird ein Dauerbrenner sein und unsere Gemeinden werden zunehmend vermutlich in ihren Bereichen gucken müssen, wie sie mit den Betroffenen umgehen. Ein Beispiel: Die Zunahme der Tafelarbeit. Dass das überhaupt nötig ist in Deutschland als einem der reichsten Länder ist unbegreiflich. Die haben ja in einem Maße zugenommen, wie man sich das kaum vorstellen konnte. Nicht nur in den großen Städten, sondern auch in der Fläche, in allen Mittelpunktortschaften gibt es mittlerweile solche Tafeln. Und ich vermute, dass die Bedarfe zunehmen werden.

Fischer: Wie wird sich die Diakonie als sozialer Dienstleister in Zukunft positionieren?
 
Dr. Schwarz: Die Diakonie darf auf gar keinen Fall aufhören, Sprachrohr für die am Rande Stehenden zu sein. Sie muss sich als Mund für die Stummen, heißt es in der Bibel, betätigen und sie steht hier in der ganz alten prophetischen Tradition, die sehr sozialkritisch die jeweilige herrschende Schicht angegangen ist, wenn sie sich nicht an die gute Ordnung gehalten hat. ‚Gerechtigkeit als Weltordnung’, das ist ein Buchtitel aus dem Jahr 1968, der das zum Programm erhebt. Das darf die Diakonie auf gar keinen Fall aufhören. Ob die Diakonie in Zukunft Prioritäten setzen muss, sich auch von Arbeitsbereichen lösen muss, um in andere hineinzugehen, die im Moment vielleicht noch gar nicht absehbar sind, darüber möchte ich im Moment noch keine Aussage machen. Das wird ein Prozess in den nächsten Jahren werden.

Die Fragen stellte Pfarrer Christan Fischer.

2008-11-26 5008


3 Fragen an OLKR Dr. Schwarz, Landespfarrer für Diakonie

 

Fischer: Herr Schwarz, Was beunruhigt Sie zur Zeit als Diakoniechef in Kurhessen-Waldeck am meisten?

Dr. Schwarz: Mich beunruhigt am meisten, dass ich vermute, dass wir eine deutliche Zunahme von Arbeitslosen bekommen. Und das wird wieder zu Lasten der Kinder und das wird wieder zu Lasten der Alleinerziehenden gehen. Also die Freude, dass wir unter den drei Millionen waren, ist vermutlich eine sehr kurze.

Fischer: Welche Rolle wird das Problem der Armut in Zukunft spielen?

Dr. Schwarz: Das Problem wird ein Dauerbrenner sein und unsere Gemeinden werden zunehmend vermutlich in ihren Bereichen gucken müssen, wie sie mit den Betroffenen umgehen. Ein Beispiel: Die Zunahme der Tafelarbeit. Dass das überhaupt nötig ist in Deutschland als einem der reichsten Länder ist unbegreiflich. Die haben ja in einem Maße zugenommen, wie man sich das kaum vorstellen konnte. Nicht nur in den großen Städten, sondern auch in der Fläche, in allen Mittelpunktortschaften gibt es mittlerweile solche Tafeln. Und ich vermute, dass die Bedarfe zunehmen werden.

Fischer: Wie wird sich die Diakonie als sozialer Dienstleister in Zukunft positionieren?
 
Dr. Schwarz: Die Diakonie darf auf gar keinen Fall aufhören, Sprachrohr für die am Rande Stehenden zu sein. Sie muss sich als Mund für die Stummen, heißt es in der Bibel, betätigen und sie steht hier in der ganz alten prophetischen Tradition, die sehr sozialkritisch die jeweilige herrschende Schicht angegangen ist, wenn sie sich nicht an die gute Ordnung gehalten hat. ‚Gerechtigkeit als Weltordnung’, das ist ein Buchtitel aus dem Jahr 1968, der das zum Programm erhebt. Das darf die Diakonie auf gar keinen Fall aufhören. Ob die Diakonie in Zukunft Prioritäten setzen muss, sich auch von Arbeitsbereichen lösen muss, um in andere hineinzugehen, die im Moment vielleicht noch gar nicht absehbar sind, darüber möchte ich im Moment noch keine Aussage machen. Das wird ein Prozess in den nächsten Jahren werden.

Die Fragen stellte Pfarrer Christan Fischer.


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